Endlich ist es soweit. Wie oft haben wir es uns vorgenommen, bei einem unserer Aufenthalte im Kloster Hornbach einen Ausflug nach Völklingen ins Weltkulturerbe Völklinger Hütte zu machen. Aber es ist bisher immer etwas dazwischengekommen. Schönes Wetter und ein Spaziergang, z.B. auf dem Paradiesgartenweg. Oder schlechtes Wetter und ein Besuch im Outlet Zweibrücken. Oder einfach nur den Tag das Kloster Hornbach oder das Lösch für Freunde genießen…

Völklinger Hütte - Unesco Weltkulturerbe - Industrieruine - Erholung in Rheinland Pfalz - Westpfalz Hotel - Top-Sehenswürdigkeiten
© A.D. für Kloster-Hornbach.de

Tipps für den Ausflug zur Völklinger Hütte – Eindrücke des Weltkulturebes

Öffnungszeiten:

April bis November: Täglich 10-19 Uhr
November bis März: Täglich 10 – 18 Uhr
Geschlossen am 24./25./31.12.

Eintrittspreise

Jugendliche und Schüler bis 18 Jahre: frei
Studierende, Schüler und Auszubildende (bis 27 Jahre, mit gültigem Ausweis): frei
Normal: 17,00 €
Ermäßigt: 15,00 €

Adresse:

Weltkulturerbe Völklinger Hütte
Europäisches Zentrum für Kunst- und Industriekultur
66333 Völklingen
Kontakt:

Telefon: +49 6898-9100 100

E-Mail: visit@voelklinger-huette.org

Web: www.voelklinger-huette.org

Aber heute ist es soweit. Ausreichend Zeit, gutes Wetter, und Lust auf einen Ausflug. Um es vorwegzunehmen. Es ist ein Ausflug, der sich lohnt, ein High-Light in der Region, ein Besuch, den wir schon viel früher hätten machen sollen und den wir auch ganz sicher wiederholen werden.

Denn die Völklinger Hütte ist eine von derzeit nur 41 Weltkulturerbestätten der UNESCO in Deutschland und eine der ersten Industrieanlagen, die es geschafft hat, in die Liste aufgenommen zu werden.

Darüber hinaus ist sie Standort von wechselnden Ausstellungen vor einer ursprünglichen Industriekulisse. Und an den Rändern und Ecken hat sich die Natur ihr Terrain zurückerobert, und inmitten einer Industriebrache gibt es Ecken fast ursprünglichen Grüns.

Doch erst mal der Reihe nach. Vom Kloster Hornbach aus erreicht man Völklingen über die A8, A6 und A620 Richtung Saarbrücken, Ausfahrt Völklingen-Geislautern. Die 65 km lange Fahrt dauert ca. 50 Minuten.

Bereits von der Autobahn aus sieht man zunächst das noch aktive Stahlwerk der Saarstahl AG und kurz danach die alte Industrieanlage. Wie ein rostiger Gigant aus vergangenen Tagen der Montanindustrie ragt sie in den Himmel.

Nicht weniger beeindruckend ist die über sechs Meter hohe rote Skulptur von Ottmar Hörl vor dem Eingang auf dem Völklinger Platz. Die Skulptur, die einem Hüttenarbeiter mit Helm und Arbeitskleidung nachempfunden ist, blickt Richtung der Anlage, die einst einer der wichtigsten Arbeitgeber der Region war. 100 weiteren, wenn auch kleineren dieser Figuren begegnen wir auf unserer Besichtigung des Stahlwerkes immer wieder. Die Ausstellung „Second Life – 100 Arbeiter“ ist noch bis zum 31.12.2018 zu sehen.

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Der zwei- bis dreistündige Rundweg führt über die Gebläsehalle, in der alte, riesige Großgasmaschinen betrieben wurden, in die Sinterhalle. In dem dort untergebrachten UNESCO Besucherzentrum bekommen Interessierte in einer Multimedia-Einführung die Funktionsweise der einzelnen Anlagenteile erklärt und erleben eine Zeitreise von den Anfängen der Völklinger Hütte im Jahr 1873 bis zur Schließung des Werkes im Jahr 1986.

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Mitten im Bauch des Kolosses stehend, umgeben von riesigen Maschinen und riesigen Rohrleitungen bekommen wir ein Gefühl dafür, wie hart, gefährlich, laut und schmutzig die Arbeit hier gewesen sein muss. Eine entfesselte Bestie bei laufendem Betrieb war das Stahlwerk – Segen und Fluch zugleich für die Arbeiter und den Wohlstand der Stadt.

Auch heute lässt sich noch an ein paar versteckten Ecken alter, zentimeterdicker Staub entdecken und das nach über 30 Jahren. Es wirkt fast so, als hätten die Arbeiter gestern ihre Arbeit niedergelegt um morgen wiederzukommen. Doch es begrüßen uns nur die kleinen Hüttenarbeiter von Ottmar Hörl, die untätig und zuweilen auch recht verloren einzeln oder in Gruppen vor den Maschinen herumstehen, die sie einst rund um die Uhr bedienen mussten.

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In der riesigen Möllerhalle, in der früher 12.000 Tonnen Erz und Zuschlagstoffe gelagert wurden, sind Bilder des Fotografen Barry Cawston zu sehen. Er fungierte als offizieller Fotograf der von Bansky geschaffenen Kunstwelten „Dismaland“ und „Walled Off Hotel“. Die Szenerie der übergroßen Beton- und Ziegelwände in Kombination mit den teilweise schrill-bunten, provokanten Fotografien, die sich in einzelnen Nischen der Möllerhalle in endloser Folge aneinanderreihen, bildet einen faszinierenden Kontrast. Alle weiteren Kunstausstellungen vor dieser einmaligen Kulisse sollte man sich in jedem Falle anschauen!

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Nach der Kunst geht es hoch hinaus. Je nach Abenteuerlust oder Höhenangst auf die Gichtbühne in 27 Meter Höhe, auf der Hängebahnwagen liefen, die die sechs Hochöfen mit den Rohstoffen befüllten. Hier hat meine Frau ihren „James-Bond-Moment“, denn in den übergroßen Wagen, die ratternd und schwankend zu ihrem Bestimmungsort fuhren, hätte sich „Beißer“ aus „Moonraker“ auch prima verstecken können, um den Agenten im Auftrag Ihrer Majestät aufzulauern.

Danach trauen wir uns auf die Aussichtsplattform in 45 Meter Höhe, die einen faszinierenden 360-Grad-Blick über die Weltkulturerbestätte, die Stadt und die Industrieanlagen an der Saar bietet. Beeindruckend ist auch, wie die Natur der Umgebung sich dem Rohstoffhunger der Industrie anpassen musste. So erheben sich im Hintergrund die beiden zirka 90 bzw. 130 Meter hohen Schlackenhalden „Hermann“ und „Dorothea“, die die Völklinger Bürger zu Ehren von Hermann Röchling, dem Eigentümer der Völklinger Hütte, und seiner Frau Theodora so nannten.

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Vom Himmel der Aussichtsplattform – wer nicht schwindelfrei ist, sollte beim Abstieg am besten stur geradeaus schauen – steigen wieder hinab auf die Abstichebene, wo das flüssige Roheisen abgelassen wurde und begeben uns weiter in die ehemalige Hölle der Kokerei.

Dort, wo bis in die 80er Jahre bei beißendem Rauch und großer Hitze aus Steinkohle der Koks für die Hochöfen gewonnen wurde befindet sich jetzt das „Paradies“. Nachdem das Areal der Kokerei fast 25 Jahre unberührt blieb, wurde hier ein einzigartiger Landschaftsgarten angelegt, der auf 1.000 Meter neu angelegten Wegen einen ganz anderen Blick auf die Hochöfen und die Koksbatterien erlaubt.

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Während wir durch das Grün mit blühenden Büschen und Blumen spazieren und sehen, wie sich die Natur noch die lebensfeindlichste Stätte wieder Stück für Stück zurück erobert, vergessen wir für einen Moment kurz, welches schlafende stählerne Ungeheuer in unserem Rücken lauert.

Nach dem kurzen Aufenthalt im „Paradies“ gehen wir auf einer Art „Panoramaweg“ langsam Richtung Ausgang. Vorbei am Schrägaufzug, über den die Hängebahnwagen liefen, werfen wir noch einmal einen einzigartigen, letzten Blick auf die Anlage, bevor wir müde, aber überwältigt von den gewonnenen Eindrücken, die Heimreise ins Kloster Hornbach antreten.

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Wie schön ist diese stille Oase mit duftendem Lavendel im Kräutergarten. Und auch hier finden wir uns wieder an einem unbeschreiblichen Ort, an dem Geschichte auf Gegenwart trifft, wenn auch in ganz anderer Form.

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